Lohnt Diesel? Wartungsintervalle, AddBlue

  • Die Zeiten, in denen Dieselmotoren höhere Laufleistungen als Benziner erreicht haben, sind längst vorbei. Insofern bist Du in der tat falsch informiert bzw. nicht auf dem aktuellen Stand. Als seinerzeit noch 55 PS aus 2 Litern Hubraum via Vorkammer dieselten, da waren 1/2 Mio km gut machbar. Heute haben Dieselmotoren dieselben Literleistungen wie Bezinmotoren und unterliegen erstmal grundsätzlich ähnlichem Verschleiß. Soviel zur längeren Lebensdauer.
    Sie sind aber außerdem wesentlich komplexer und Reparaturen, die statistisch betrachtet bei höheren Laufleistungen nun mal auftreten, sind meist deutlich teurer (Schon mal einen Injektor gewechselt? das gesamte Bündel Einspritzleitungen muss dabei erneuert werden). Abgasrückführungsventile versotten und müssen erneuert werden, etc.) Das ist alles nicht der Tod des Motors, kostet aber Geld. Deshalb ist nach meiner Überzeugung der Diesel im Gegensatz zu "früher" nur noch halbwegs rentabler als der Benziner, wenn man ihn nur begrenzte Zeit nutzt.
    Aber da künftige Reparaturkosten nur geschätzt werden können und sicher der eine oder andere jemanden kennt, dessen Diesel 200.000 km allein mit Ölwechseln überstanden hat, muss das jeder für sich entscheiden. Der Autoverkäufer wird Euch immer dazu überreden wollen, den Diesel zu nehmen. Aber der hat auch andere Interessen als der Kunde, so nett er auch sein mag.

  • Aha, interessante Info. Das mag auch gut sein, dass ich nicht auf dem Laufenden bin. Es ist nunmal so, dass der Cactus mein erstes Auto ist. Bin vorher 20 Jahre immer nur Fahrrad, ÖPNV oder Motorrad gefahren - oder PKW dienstlich. Da ich die letzten zwei Jahre viel in Krankenhäusern und Rehas verbracht habe, habe ich mich viel mit Taxifahrern auf den Familienheimfahrten über die anstehende Autoanschaffung unterhalten. Bei deren Fahrleistungen traue ich denen durchaus eine gewisse kompetenz in der Beurteilung von Wartungskosten und anfallenden Reparaturen sowie Schwachstellen diverser Modelle zu. Viel "Wissen" habe ich auch daher bezogen. Mehrere Taxifahrer haben mir z.B. auch immer gesagt, dass auch heute noch ein Diesel mit 100000 grad mal etwas mehr als eingefahren sei. Ich jedoch die Finger von Dieseln der VW-Familie und deren DSG-Getriebe lassen soll - es sollte ja aus gesundheitlichen Gründen ein Automatikgetriebe werden... Naja, wie auch immer. Irgendwann muss man mal aufhören sich Infos anzulesen, Testberichte zu lesen, mit Leuten zu sprechen und in Foren zu lesen und einfach mal Probefahren und entscheiden. Ich bin froh, dass ich den Diesel hab, freu mich jedes Mal an der Zapfsäule und hoffe, dass er mir bei guter Pflege lange treu bleibt. :love:

    :love: Cactus e-HDi 92PS ETG6 Feel Edition 2015-2022

    8) Cactus Blue HDi 120 EAT6 Shine 2022-?


  • Aber da künftige Reparaturkosten nur geschätzt werden können und sicher der eine oder andere jemanden kennt, dessen Diesel 200.000 km allein mit Ölwechseln überstanden hat, muss das jeder für sich entscheiden.


    Also, mein Golf IV Benziner, 75 PS, 1,4 Lister Baujahr 2000 hat habe ich gerade mit 250.000 abgegeben und nun fahre ich Cactus.
    Und der wird nun von jemand anderem weitergefahren. Insofern scheint mit 200.000 km für einen Diesel eine besonders tolle Leistung zu sein, da ich mit meinem kleinen Benzinmotor des Golf schon mehr gemacht habe.

  • lumo77: Die Diskussion wäre vor 10 Jahren sicher unter anderen Vorzeichen geführt worden. Das liegt zum einen daran, dass die Weiterentwicklung des Benzinmotors zu Gunsten des Selbstzünders jahrzehntelang vernachlässigt worden war. Zum Beispiel hat unser 2005er C4 mit dem 109-PS-Benziner (1,6 Liter) lockere 8 l/100 km bei moderater Fahrweise genommen. Der gleich starke 1,6er HDI hat damals schon allenfalls 5,5 l/100 km benötigt. Die Differenz im Verbrauch betrug damals also min. 2,5 l, heute angesichts des neuen Dreizylinders im Cactus nur noch 1 l/100 km. Je größer und schwerer das Auto ist, umso größer ist die Verbrauchsdifferenz zwischen Benziner und Diesel. Insofern wird die Motorenwahl aus der Sicht des Taxifahrers schon wirtschaftlich sein. Hinzu kommt, dass das Taxi einen ganz geringen Anteil der Betriebszeiten im Kaltlauf zurücklegt. Bei privat genutzten Fahrzeugen ist der deutlich höher (Bei 10 km einfache Strecke Arbeitsweg ist der Motor > 1/2 der Strecke unterhalb er Betriebstemperatur). Das ist vor allem bei Dieselmotoren schädlich in Bezug auf deren Lebensdauer. Gut, bei > 30.000 km p.a. muss schon ein erheblicher Anteil längerer Strecken dabei sein.
    Zur Haltbarkeit von Brotundbutterbenzinern: Der 1,6er Audi A3 eines Freundes nähert sich der halben Million. Unser oben erwähnter C4 fährt noch immer innerhalb der Familie. Bei derzeit 170.000 km auf dem Tacho waren neben Bremsen rundum bislang nur eine Lambdasonde, eine hintere Feder und ein Spurstangenkopf zu wechseln. Aber das ist natürlich statistisch irrelevant und ich habe auch einen Bekannten, der mit seinem Focus Turbodiesel (alter 1,8er) die 400.000 erreicht hat.
    Du warst ja ohnehin bei der Motorenwahl ohne Alternative, wenn Du ein automatisiertes Getriebe haben wolltest (zusammen mit dem kleinen Benziner soll das ETG ja doch etwas sehr "gemütlich" sein). Das ist auch für mich nach wie vor das Argument, über den Diesel nachzudenken. Seit vielen Jahren fahre ich ausschließlich Automaten und bin entsprechend faul geworden. Derzeit haben wir einen C6 und einen Jeep alternierend im Einsatz, ebenfalls beide mit Automatik. Mal schauen, ich habe ja noch etwas Zeit...

  • Du warst ja ohnehin bei der Motorenwahl ohne Alternative, wenn Du ein automatisiertes Getriebe haben wolltest (zusammen mit dem kleinen Benziner soll das ETG ja doch etwas sehr "gemütlich" sein).

    jep, genauso war es. bin erst den benziner probegefahren. neben dem verbrauch auf meiner "testrunde" von über 9litern war auch das 5-Gang-etg unglaublich nervig.
    erst dadurch kam ich auf die idee diesel. und siehe da: eine schaltstufe mehr brachte ein angenehmes fahrverhalten bei gemütlicher wie auch forcierter fahrt und ein verbrauch auf gleicher Runde von glaub ich 4,7 oder 4,3. da fiel die wahl nicht schwer

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